Inneren Druck senken

Inneren Druck senken - wenn dein Kopf nicht still sein kann

June 04, 20266 min read

Wenn wir beide jetzt bei einem Kaffee zusammensitzen würden und ich dich fragen würde, wie es dir gerade wirklich geht, dann würden viele Frauen erst einmal spontan sagen: „Gut.“ Und dann kämen sie ins Nachdenken.

Geht es ihnen wirklich gut? Oder sind sie einfach gewohnt, stark zu sein, belastbar zu sein und alles zu managen?

Sind sie so daran gewöhnt, sich um andere zu kümmern, Verantwortung zu tragen und weiterzumachen, dass sie gar nicht mehr richtig wahrnehmen, wie es ihnen selbst eigentlich geht?

Viele Frauen, die zu mir kommen, funktionieren im Außen sehr gut. Sie bekommen unglaublich viel auf die Reihe, tragen Verantwortung, kümmern sich um andere und haben gelernt, auch dann weiterzumachen, wenn sie eigentlich schon müde sind. Nach außen wirkt das oft stark und souverän. Innerlich sieht es aber manchmal ganz anders aus.

Da ist Anspannung. Da ist Druck.

Diese innere Unruhe, das Gefühl, immer weiterlaufen zu müssen, obwohl die Kraft eigentlich nicht mehr reicht.

Und vielleicht kennst du das auch. Du wachst morgens auf und die ersten Gedanken sind gleich da. Diese innere Liste mit all den Dingen, die heute erledigt werden müssen. Da ist die Arbeit, die Familie, die Kinder, der Haushalt, vielleicht die Eltern. Da ist die Kollegin, die etwas braucht. Da ist der Termin, den du vorbereiten musst. Da ist die E-Mail, die du noch beantworten wolltest.

Und ehe du dich versiehst, bist du mitten im Tag und funktionierst einfach weiter.

Ich glaube, viele Frauen merken gar nicht, wie viel Druck sie tatsächlich tragen. Nicht, weil sie unachtsam sind, sondern weil dieser Zustand so normal geworden ist. Wenn man lange genug in einem bestimmten Modus lebt, dann fällt einem irgendwann gar nicht mehr auf, dass er da ist.

Dann ist es normal, ständig zu denken. Dann ist es normal, immer auf Empfang zu sein. Dann ist es normal, dass der Kopf auch abends nicht aufhört.

Und irgendwann sitzt man vielleicht auf dem Sofa und merkt, dass man eigentlich erschöpft ist. Der Körper möchte Ruhe. Aber der Kopf läuft weiter. Er denkt über morgen nach. Über das, was noch offen ist. Über das, was man besser hätte machen können. Über das, was als Nächstes ansteht.

Viele Frauen sagen dann zu mir: „Ich kann einfach nicht abschalten.“ Und ich finde, das beschreibt es sehr gut. Der Körper sitzt vielleicht schon auf dem Sofa. Der Kopf arbeitet noch immer. Der Körper sehnt sich nach Ruhe. Und im Kopf geht diese innere Anspannung und Unruhe weiter, dieses Gedankenkarussell, nie endend, nicht mal nachts.

Was viele dabei nicht wissen: Das ist nicht einfach eine schlechte Angewohnheit. Es ist auch kein persönliches Versagen. Unser Nervensystem macht in solchen Momenten genau das, was es gelernt hat. Es folgt alten bewährten Verhaltensmustern.

Wenn wir über längere Zeit viel Verantwortung tragen, viel leisten und uns immer wieder antreiben, dann bleibt unser System in dieser ständigen Alarmbereitschaft. Es hält Ausschau nach dem Nächsten, das erledigt werden muss. Nach dem nächsten Problem. Nach dem nächsten Punkt auf der Liste. Nicht, weil mit uns etwas nicht stimmt. Sondern weil diese Verhaltensweise, diese Strategie funktioniert hat. Machen, tun, fleißig sein. Viele Frauen wurden so erzogen. Für andere da sein, helfen. Das ist lieb. So bekamen wir Anerkennung. Viele von uns haben gelernt, dass wir Anerkennung bekommen, wenn wir hilfreich sind, uns kümmern und es gut machen.

Nur irgendwann funktioniert das nicht mehr. Wir stecken fest in alten Mustern.

Vielleicht kennst du auch diese Momente, in denen du über einem Problem sitzt und einfach nicht weiterkommst. Du denkst nach, überlegst, suchst eine Lösung und drehst dich trotzdem im Kreis. Und später, unter der Dusche oder beim Spazierengehen, fällt dir plötzlich etwas ein.

Nicht, weil du dich weiter angestrengt hast, sondern weil wieder Raum entstanden ist. Weil dein Nervensystem für einen Moment nicht mehr im Dauerstress war.

Und genau das sehe ich immer wieder: Viele Frauen versuchen, Druck mit noch mehr Druck zu lösen. Sie glauben, sie müssten sich noch mehr anstrengen, noch disziplinierter sein, noch effizienter werden.

Dabei braucht unser System oft etwas ganz anderes.

Es braucht einen Moment zum Durchatmen.

Es braucht einen Moment, in dem wir nicht sofort weitermachen.

Es braucht einen Moment, in dem wir wieder bei uns ankommen.

Spür doch einmal kurz rein.

Wann hast du heute das letzte Mal bewusst geatmet?

Wann hast du wahrgenommen, dass du Durst hast?

Oder dass deine Schultern angespannt sind?

Oder dass du eigentlich müde bist?

Viele Frauen bemerken solche Dinge erst dann, wenn der Körper schon ziemlich laut und deutlich geworden ist mit seinen Signalen. Wenn die Verspannungen schmerzhaft werden. Verspannungen kann man ja aushalten. Wenn die Erschöpfung so groß ist, dass du einfach nicht mehr kannst. Wenn die Freude verloren gegangen ist und sich das Leben nur noch nach Abarbeiten anfühlt.

Doch Veränderung ist möglich.

Sie startet nicht mit einem riesigen Schritt.

Nicht mit einer perfekten Morgenroutine.

Nicht mit einer Stunde Yoga.

Sondern mit einem kleinen Moment der Aufmerksamkeit.

Mit der Bereitschaft, kurz innezuhalten und sich zu fragen:

Wie geht es mir eigentlich gerade?

Was ist denn gerade da?

Was brauche ich im Moment wirklich?

Eine ganz einfache Übung, die ich dir heute mitgeben möchte, ist das lange Ausatmen.

Wenn du merkst, dass dein Kopf rast und alles ein bisschen zu viel wird, dann atme einmal langsam ein. Und dann noch langsamer wieder aus. Gerne auch mit einem Ton, einem Seufzen.

Lass dir Zeit dabei. Verlängere die Dauer des Einatmens auf 6 Zähler und die Dauer des Ausatmens auch auf 6 Zähler.

Das lange Ausatmen sendet deinem Nervensystem ein Signal, dass im Moment keine Gefahr besteht. Dass du nicht kämpfen musst. Dass du nicht rennen musst. Dass du nicht sofort das nächste Problem lösen musst.

Viele Frauen spüren schon nach wenigen Atemzügen, dass etwas weicher wird. Nicht, weil plötzlich alle Probleme verschwunden wären. Sondern weil wieder ein wenig Abstand entsteht.

Und manchmal reicht genau das.

Ein wenig Abstand. Eine neue Perspektive

Ein wenig Ruhe.

Ein wenig mehr Verbindung zu dir selbst.

Ich glaube, wir sind nicht hier, um unser Leben nur auszuhalten. Wir sind nicht hier, um von einer Aufgabe zur nächsten zu hetzen und irgendwann festzustellen, dass die Jahre vorbeigegangen sind.

Wir sind hier, um unser Leben auch zu genießen.

Um Freude zu erleben.

Um präsent zu sein.

Um uns selbst wichtig zu nehmen.

Und deshalb möchte ich dir heute einfach diesen Gedanken dalassen:

Vielleicht musst du nicht noch mehr machen.

Vielleicht musst du nicht noch effizienter werden.

Vielleicht braucht es gerade keinen weiteren Punkt auf deiner To-do-Liste.

Vielleicht braucht es einfach einen Moment, in dem du innehältst, tief ausatmest und dir erlaubst, wieder bei dir anzukommen.

Denn genau dort beginnt oft der Weg raus aus dem Druck.

Und gerade wir Frauen dürfen uns diese innere Erlaubnis geben, weniger zu machen, und mehr zu sein. Auch mehr im Fluß zu sein. Und wir dürfen uns wieder daran erinnern, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie viel wir leisten.

Wenn du dabei Unterstützung möchtest, findest du in meiner Übung „Inneren Druck senken“ (für 0 Euro) eine erste einfache Klopfrunde, die dir helfen kann, dein Nervensystem zu beruhigen und wieder mehr Ruhe, Klarheit und Leichtigkeit in deinen Alltag einzuladen.

🌿 Vom Kopf in den Körper

Im ersten Schritt haben wir geschaut, warum unser Kopf oft nicht mehr zur Ruhe kommt. Im nächsten Artikel geht es darum, wie unser Körper uns zeigt, wenn etwas zu viel geworden ist.

👉 Wenn dein Körper dir zeigt, wie viel du trägst

Back to Blog